Thomas Stadler informiert auf dieser Homepage über seine Tätigkeiten in den Bereichen der modernen Kunst, der Zeitgenössischen Kunst, publik secrets, cumcu, Kunst in Mexiko, Brownbag, Kunst am Bau und noch viel mehr.

forever young
neue Arbeiten von Markus Waltenberger

Markus Waltenberger hat längere Zeit nach seinen wilden archaischen Aktionen
z. Bsp. in der Ga lerie 5020 eine konzentrierte Arbeitsphase durchlebt, deren Arbeiten nun in dichter Präsentation vorliegen.
Längst nicht mehr in der Naivität einer irgendwie erklärten Bildfindung und ihrer Privatmythologien, sondern aus einer Entscheidung zum bildnerischen Konzept zeigen sich Waltenbergers neue Arbeiten.
Serien von subtilen Bildgründen in vielschichtiger Durchdringung des Farbkörpers werden zu Diptychen und Triptychen gegliedert. Über die schwebende, teils reflektierende von einem monochromen Aspekt getragene Farbatmosphäre sind Figuren scheinbar unvermittelt als Zeichen gesetzt, deren Konturen Waltenberger unverblümt auch den Abbildungen verschiedener Tageszeitungen entnimmt.

Das Figur – Grund Problem , vielmehr dessen Nichtanerkennung bewirkt dabei eine Art Radikalisierung beider Kategorien. Der Grund wird zur subtil ornamentierten farbatmosphärischen und von Strukturen durchwirkten Fläche und die Figur zum dieses Extrem lösenden Zitat einer schablonenhaften Auffassung des Gegenständlichen – davor oder darin oder dagegen.
Waltenbergers frühere Arbeiten öffneten ebenfalls die Symbolebene ins Dreidimensionale und ließen Bilder ähnlich dem Vorgang von Prägedrucken als ausgesparte Zeichen zurück.
Die bewusstere Umgang erlaubt dem Maler diese klassische Ästhetik mit dem Konzept einer beinahe banalen graphischen und dadurch repräsentativen Auffassung vom Gegenstand. zu verbinden.
Die Erhabenheit seiner ausgefeilten Bildgründe allerdings wird zur Relativierung abstrakter Ästhetik, indem sie eben durch die Zeichnung darüber nur Hintergrund darstellen.
Der uralte Bilderstreit zwischen den Ikonen der Flächigkeit und der Philosophie einer Raumillusion drängt sich auf. Waltenberger nützt den Konflikt in jedem Fall, um seine Bildsprache zu perfektionieren.

Das mythologische Thema wie es in seinen früheren Performances zutage trat wird subtiler fortgeführt als Vorwand postmoderner Ästhetik.

Die archetypische Erinnerung einer Kultur schafft Bezüge zu historischen Stilen genauso wie zu künstlerischen Gesetzmäßigkeiten. Darin ist der aufrührerische Waltenberger zum Künstler der gezielt ästhetischen  Botschaft geworden, zum Urheber einer Sprache, die verstanden werden will.
Beinahe folgerichtig tritt bei ihm das Phänomen ungenierter Assimilation von Merkmalen  allgemeiner Stile auf.
Der Jugendstil drängt sich auf – die Schablonen vegetabiler Ornamentik in abstrakter Groteske vorgetragen - entbehren in ihrer Zitatenhaftgkeit nicht einer gewissen Ironisierung. Ornament ist eben kein Verbrechen, wenn es als formalistisches Zitat dem entsprechenden Kontext eingeschrieben wird – wenn es Vorwand für den in Sinnlichkeit schwelgenden Maler wird. Sieht er doch die Gefahren des bloß Ästhetischen, des illustrativ Beliebigen oder einfach Banalen.
Er weiß , daß Privatmythologien in den Achzigern versickerten. Er kennt die Krise. Auch jene seiner eigenen Malerei. Und er führt sie fort als Thema seiner Bildwelten.
Diese Chiffren werden sogar monumentalisiert – in anderen Materialien geradezu verkörpert in den Themen: Mann, Frau, Geburt, Kind...vitale Vernetzung aus Nabelschnüren und einer Verbindung der Sinnesaustrittsstellen mit dem „sexten“Sinn - 
Seine Stühle sind Definition von Kulturkontext, manchmal dessen Unterwanderung.
Die Stühle treiben aus – das sperrige Holzkonstrukt abendländischer Prägung knospt und endet an keinen Schnittflächen, sondern „triebt“ sein verborgenes Wachstum in Netzwerke leitfähiger, kupfern lichtbrechender Nabelschnüre. Der Stuhl als Chiffre für Objektbezug wird dingmagisch „besessen“
und seine Funktion eingebunden in ein Netzwerk mit dem Menschen, der ihn zum Zweck geformt und doch als Symbol nur aufgegriffen hat. Der mit dem Körper verwachsene Bezug zum  Objekt  wird zur einverleibenden Objektivität.

Über der Ruhe klassisch ästhetischer Bildgründe apelliert Waltenberger kontinuierlich an eine nabelschnurvernetzte Welt - statt Internet und Medienmanipulation: ein erinnertes Netz von Innerlichkeit zu Innerlichkeit.

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