Thomas Stadler informiert auf dieser Homepage über seine Tätigkeiten in den Bereichen der modernen Kunst, der Zeitgenössischen Kunst, publik secrets, cumcu, Kunst in Mexiko, Brownbag, Kunst am Bau und noch viel mehr.

"cumcu"

ZU DEN FOTOS

Mexiko City 2007
Intervention im Öffentlichen Raum

 

Der erste Eindruck:


Wenn jeden morgen tausende Vorstädter aus den U-Bahn Schächten quellen, riesige Pakete auf filigranen Rollwagen ziehen, sperrige, rostige Metallgitter auf den Rücken gebunden und vielfach verschnürte mehr aus Klebeband als aus welkem Karton zusammengehaltene Pakete vor sich herschieben. Wenn sich die Gehsteige der Altstadt mit Verkaufsständen füllen aus diesen Materialien. Einige starkfarbige Decken darüber gebreitet und alles draufgebreitet und geschichtet, was Wert hat zum Tausch. Wer kauft? Der je Wohlhabendere das, was die anderen gesammelt haben vor seiner Tür. An der Kreuzung vor unserem Hotel sind fünf Autoscheibenputzer tätig. Ihr Werkzeug verstauen sie allabendlich in den Ritzen einer verfallenen Kirche. Lange vor unserem Auftauchen am Fenster haben sie die erste rush hour schon hinter sich und von jedem vierten Autofahrer höchstens einige Pesos gekriegt.

Die Stadt ist immer zu voll, die Straßen zu laut. Der europäische Blick vermutet den Kollaps und wird täglich überrascht davon, dass es wieder weiter geht. Erdbeben und das Trockenlegen des Sees haben die Baufluchten der Innenstadt amorph aus der Achse heraus verworfen. Alles ist aus den Naturrhythmen mitgezeichnet, was historische Rhythmen zeigt. Öffentlicher Raum? Ein lauter, voller, schriller, über und über definierter. Alles ist hier in die Öffentlichkeit gerissen, in einen marktschreierischen Kampf ums Überleben, um etwas nach Hause zu bringen aus der touristengeladenen Innenstadt, wenn es ein zuhause gibt. Eine andere Form der Bewegung, Gestank und Hitze und viele lachende und von den Augen her strahlende Gesichter, eine andere Zusammensetzung der Phänomene – Konnotationsprobleme in meinen Augen…:


„public secrets"

Die Form oder „was das Rad tut, wenn es sich bewegt“ Die erste Gegenwehr gegen den Moloch D.F., gegen die größte Stadt der Welt. Die Form – ein sperriges Zitat des überall präsenten Aztekischen Steinkalenderrades – gebastelt (am Dach, neben der Absperrung zu den Abbruchhäusern der Drogendealer) aus dem Stoff und Abfall dieser immer bewegten Metropole. Das Rad, wie ein Mal , wie ein früher Apparat zwischen mich und die einstürzenden Eindrücke gestellt – viel zu groß und genau deshalb viel zu langsam. Ein Orientierungsgerät gegen das Labyrinth des „centro historico“. Das, was rollt und sich sperrig und sensibel gebückt, geschleppt, gezogen Platz schafft zwischen den Buden und Eintagsständen. Das Gestell – bewegt- schreibt als Zeichnung den amorphen farbigen Fassadenrhythmus entlang, funktioniert vordergründig (im Sinne Duchamps) als Messinstrument oder als Tinguely´sche Montage, wird stabilisiert und bewegt durch die Performer; misst Weg und Dauer, misst Abweichung und reflektiert Orientierung im Bezug zur Sonne. Was folgt sind Notizen als großflächige Zeichnungen, Bilder der Primärerfahrung im gegoogle der interkulturellen Konglomerate. Der Ariadnefaden zum Licht einer den Azteken heiligen Orientierung und das „get lost“ dieses Versuches auf den Grundrissen von Tenochtitlan. Das Zitatenhafte wird kommunizierbar in der Bewegung und ihrer scheinbar erforderlichen Schritte. Der Ernst der sinnlosen Intervention schafft Kontext.



Interkulturell

„public secrets 10“ folgt dem Konzept der Intervention im urbanen Raum auf metaphorische Art. Der touristische Blick wird konterkariert durch eine vordergründig schwer lesbare Aktion, deren Bezugnahme auf die Dimension der seine Frühgeschichte vermarktenden extemen Alltagskultur. Die Präsentation in der Galerie im Casa Vecina dokumentiert und reflektiert.

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